Von Bratwürsten, Kuchen und Bewegungsmeldern

Sich in einer Partei bzw. politischen Gruppierung zu engagieren, bedeutet in der Regel viel Mühsal und Leiden. Warum dennoch so viele für den Erfolg von so wenigen Stunde um Stunde investieren und Dinge tun, die sie zu anderen Zeiten rundweg ablehnen würden – nun, das ist ein eigenes Thema.

Diesmal geht es um die Arbeiten und Aufgaben als solches, die in einer Partei-Mitgliedschaft beinhaltet sind. Sofern man sich nicht von vorneherein auf eine passive Beteiligung & eine ausschließlich finanzielle und moralische Unterstützung versteift hat. Alternativ entbindet der sogenannte „interne Streit“ den Verlierer desselbigen von weiteren Parteitätigkeiten bzw. ist die „Enttäuschung“ (über zum Beispiel Wahlniederlagen oder mangelnde Wertschätzung) ein gerne angeführter Grund zur Niederlegung aller Ämter.

Zurück zu den Jobs: Eine Partei und die dazugehörige Ortsgruppe (Ortsverein, Ortsverband), die etwas auf sich hält, wird im jährlichen Turnus ein eigenes Fest organisieren und bei kommunalen Großveranstaltungen nicht fehlen.

Bei Letzteren unterscheidet sich die Teilnahme zwischen „Mitmarschieren bei Festzügen“ und den Betrieb eines Getränke-, Brotzeit- oder Spielestandes. Davon werfen allerdings nur zwei Gewinn ab (Die Argumentation für den Draufzahler-Spieleparcours samt Glücksrad (!!): „Aber wir tun es doch für die Kinder“), so oder so ist aber bei allen öffentlichen Events eines für alle hier aktiven Parteimitglieder absolute Pflicht: Das T-Shirt, farblich passend und mit Partei-Logo, das jedem potenziellen Wähler das Engagement für das Wohl der Gemeinschaft weithin sichtbar zeigt.

Eine Beobachtung, die auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts gilt: Während bei Festivitäten die männlichen Parteimitglieder am Grill stehen und Bratwürste verkokeln, sind die Damen für die Kuchentheke zuständig. Zugegeben, zum süßen Angebot steuern mittlerweile auch die Männer bei … indem sie Kuchen, frisch gebacken von der Ehefrau oder der Mama, mitbringen. Was sich generell in diesem Bereich ebenfalls nie ändern wird: Der versteckt initiierte Wettstreit, welcher Kuchen denn am meisten Beachtung und Anhänger findet. Wehe dem Parteimitglied, dessen Kuchen übrigbleibt.

Gefangen im Verteilerzirkel der Partei

Ein anderer Job. Solange es sich ein Ortsverein aufgrund fehlender Sponsoren nicht leisten kann, die entsprechenden Dienste gegen Bares outzusourcen, wird die Verteilung der Wahlkampfzettel, Informationsprospekte und Weihnachtsgrußkarten über einen Verteilerring organisiert. Was heißt: Willigen und auch unwilligen Parteigängern wird ein Gebiet zugeteilt, in dem sie die Verteilung des gedruckten Parteimaterials übernehmen.

Was soll ich sagen? Keine Ahnung, warum, aber mein Verteilgebiet gehört mit rund 220 Haushalten zu den größten unseres Ortsvereins. Und weil unser Vorsitzender fleißig ist, außerdem wir ja auch die Broschüren von Kreistags-, Landtags- und Bundestagskandidaten an den geneigten Bürger bringen müssen, bin ich regelmäßig „on tour“. Bevorzugt in der Dunkelheit, weil ich tagsüber arbeiten muss und es mir außerdem unangenehm ist, dabei beobachtet zu werden*.

Bei meinen nächtlichen Streifzügen werde ich ausnahmslos mit drei besonderen Herausforderungen konfrontiert:

  • Hunde: Nein, auch bei uns „auf dem Land“ laufen sie nicht frei herum. Sie lauern aber in Gärten, warten bis der Prospektverteiler, also ich ganz nah am Zaun ist – um mich dann mit lautem Gebell zu Tode zu erschrecken. Ich vermute, es sind nicht wenige Menschen, die aus diesem Grunde an Herzinfarkt sterben, die Dunkelziffer scheint mir immens hoch zu sein.
  • Briefkasten: Nicht nur, dass es modernes Design manchmal unmöglich macht, den Infozettel einzustecken, die Anbringung der Briefkästen erfolgt auch häufig nach dem Prinzip „Je versteckter, desto besser“. Seitdem ich Parteiprospekte verteile, ist mein Respekt vor Postboten bzw. Briefträgern jedenfalls stark gestiegen.
  • Bewegungsmelder: „Licht aus, der Krebs kommt, Spot an!“ Der modifizierte Spruch der Disco-Legende Ilja Richter macht jede Heimlichkeit des Verteilers zunichte. Kaum habe ich mich an ein Haus im Dunklen angeschlichen, reagiert der Bewegungsmelder. Ich stehe frisch ertappt im gleißenden Licht – und aus dem Garten erschallt ein frotzelndes „Ja, der Herr Krebs, was machen Sie denn da so spät noch unterwegs?“

Ein Zwischen-Fazit: Wer sich kommunalpolitisch engagiert, sollte Zeit haben, idealerweise wenig Freunde UND eine masochistische Ader besitzen. Nicht umsonst sind viele Kommunalpolitiker auch Fans von Fußballmannschaften wie den „Löwen“ oder Schalke 04.

*Im Gegensatz zu glorreichen Zeiten der Demokratie und der Parteien haftet dem Werben um Wähler heutzutage etwas Unanständiges, Schmieriges und Unsittliches an. Es scheint so, als ob man als Parteimitglied moralisch-gesellschaftlich „schmutze“.

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