„Und die Rache ist mein“, sprach der Vater.

Als ich kürzlich abends durch unsere Siedlung spazierte, um der sehr laustarken Erziehung meiner halbwüchsigen Söhne durch ihre Mutter zu entkommen, plärrte es bereits aus den offenen Fenstern des zweiten Hauses, an dem ich vorbeikam.

Dort wohnen gute Freunde von uns mit ihren beiden Töchtern, von denen mindestens eine gerade ihrem Vater vehement Paroli bot. Alle Vorurteile bedienend, ging es wohl um das knappe Kleidungsstück, das dem Erziehungsberechtigten nicht gefiel, weshalb er den geplanten Ausgang kurzerhand verbot. Selbstverständlich vergeblich.

Ich kam an diesem Abend noch an etlichen Häusern vorbei, in denen heranwachsende Jugendliche beidseitigen Geschlechts wohnen – bei den allermeisten wurde ich ungewollter Zeuge leidenschaftlich geführter Auseinandersetzungen, die den wortgewaltigen Familienkonflikt der Generationen offenbarten. Dabei machte ich mir wenig Gedanken über die jeweiligen Gewinner – ich wusste als Vater, wer es sein würde. Vielleicht diesmal nicht, auf Dauer aber sicher.

Ich war sehr beruhigt darüber, dass es bei den anderen Familien mit Nachwuchs keinen Deut besser als bei uns ist. Wir alle kapitulieren früher vor der unglaublich aggressive Ausstrahlung der Jugend.

Weil ich aber Vater von Jungs bin (was definitiv sich von der Elternschaft mit Mädchen unterscheidet, wie mir immer wieder die Mütter von solchen verzweifelt versichern), kann ich allein schon aus Stolz so schnell nicht aufgeben. Und deshalb möge gelten:

„DIE RACHE IST MEIN, ICH WILL VERGELTEN.

Der Vers dazu findet sich im Alten Testament und wird im Neuen Testament zweimal zitiert. Gott sagt: „Mein ist die Rache und die Vergeltung, zu der Zeit, da ihr Fuß wanken wird; denn die Zeit ihres Verderbens ist nahe, und ihr Verhängnis eilt herbei“ (5. Mose 32,35; Römer 12,19; Hebräer 10,30).

Exkurs: Im 5. Buch Mose spricht Gott von den halsstarrigen, rebellischen, götzendienerischen Israeliten, die seinen Zorn auf sich gezogen haben. Die beiden neutestamentlichen Abschnitte betreffen das Verhalten des Christen, der Gottes Autorität nicht an sich reißen soll. Vielmehr sollen wir ihm gestatten, gerecht zu richten und seine göttliche Vergeltung über seine Feinde auszuschütten, wie er es für richtig hält.

Zugegeben, das klingt in heutigen Zeiten sehr martialisch und im Verhältnis von Vater und Söhnen auch sehr überzogen und unangebracht, zumal Maßnahmen wie Taschengeldentzug oder Sprüche wie „Solange du deine Füße unter meinem Tisch hast“ entweder an der eigenen, fehlenden Konsequenz oder an der Mutter scheitern.

Dem Vater bleibt also nur das dreischneidige Racheschwert, bestehend aus

Erstens: Langeweile

Ab einem Alter von spätestens 13 Jahren ist eine Familie per se langweilig. Man kann die Qual eines Jugendlichen aber noch erhöhen, indem man ihn nicht vom Mittagstisch aufstehen lässt oder zu Familienfeiern bei Oma und Opa zwingt. In der Moderne dabei entscheidend: Auf jede legale oder illegale Weise verhindern, dass er sein Smartphone bei sich trägt.2. Nervigkeit

Zweitens: Nervigkeit

(Die WORD-Korrektur mag das Wort nicht, leider. Ist mir aber egal.)

„Und wie war die Schule? Hast du Noten herausbekommen?“ Zwei Fragen nur, die allerdings den Gereiztheitspegel des Nachwuchses in Sekunden nach oben schnellen lassen. Generell sind die Nerven der Jugendlichen bei jeder Begegnung mit ihren Eltern zum Zerreißen gespannt – es genügen bereits lapidare Kommentare zu ihrer „schlampigen“ Kleidung, ihren „unmöglichen“ Haaren oder ihrem „unaufgeräumten“ Zimmer & ihr Tag ist versaut.

Drittens: Peinlichkeit

Die Waffe schlechthin, vor allem als Vater! Nichts hassen Töchter oder Söhne mehr, als wenn der „Alte“ in Gegenwart von Freunden auf jugendlich macht. Da meine äußerlichen Möglichkeiten begrenzt sind, habe ich mir dazu einen kleinen Schatz von Jugendwörtern der vergangenen Jahre angeeignet. Wenn also mein Sohn im Chat vor seinem PC meinen „Essen ist fertig“-Ruf wieder einmal ignoriert, schmuggle ich mich hinter ihn vor die Bildschirmkamera und grinse seinen Kumpels ein „Ich bims!“ und gleich darauf ein „Bin ich jetzt lost und cringe?“ entgegen.

Nun, Sohnemann sitzt wenige Sekunden später am Essenstisch. Ebenso hört er sofort damit auf, im Beisein seiner Freunde frech zu mir zu sein, wenn ich einen Übergriff von ihm mit ernsten Worten entgegne: „Du bist aber kein Ehrenmann. Ich finde dich minus 5.000 Aura.“

Das hilft. Und ich freue mich darauf, wenn meine Jungs ihre erste Freundin mit nach Hause bringen. Die Fotos von ihnen als sabbernde Babys liegen in meiner Schublade bereit.

Epilog: Ich weiß selbst, dass ich vielleicht mal eine Schlacht gewinne, aber nie den Krieg. Aber was soll ich dazu sagen außer „Das crazy.“

 

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