Aus dem Leben eines Kommunalpolitikers: Noch ein Stück Torte? Oder doch lieber zwei Weißwürste?

Bürgermeister in kleineren Gemeinden werden im Laufe ihrer Amtszeit in der Regel dick. Mögen sie auch noch so rank & schlank ihre kommunalpolitische Karriere begonnen haben, es gibt für sie kein Entrinnen: Früher oder später sind sie ein 3XL-Bürgermeister.

Im Gegensatz zu ihren Kollegen auf Landes- oder Bundesebene liegen die überflüssigen Pfunde jedoch nicht an regelmäßigen Bankettbesuchen in Verbindung mit Schlafdefiziten, sondern an der 80jährigen Olga Schmidt und der fünf Jahre älteren Gertraud Müller – und ihrem unerbittlichen Willen, kombiniert mit maximaler Bürgermeister-Fürsorge.

Aber der Reihe nach: Zu den edelsten Pflichten eines Bürgermeisters gehört, den älteren Mitbürgern zu deren runden Geburtstagen (je nach Gemeinde ab 75 bis 85 Jahre) seine Aufwartung zu machen. Es gibt dafür nicht nur ein schönes Foto für die Lokalzeitung, sondern auch die Gewissheit, zwischen den Wahlen bereits Stimmen für das nächste Votum über das eigene Amt zu sammeln.

Keine Frage, Frau Schmidt und Frau Müller werden dem Bürgermeister mehr als gewogen sein …. sofern er nicht ihre Gastfreundschaft schnöde missachtet. Und zu dieser gehört ohne Wenn und Aber, dass der Besuch zwischen Torte und Würsten wählen muss und sich im Idealfall (dann ist die Stimme sicher) sowohl als „Süßer“ als auch als Freund des Deftigen beweist.

Solche Völlereien führen zuweilen zu Sodbrennen und Magenproblemen – der Kommunalpolitiker lernt spätestens hier, warum und wie er seinen Bürgerinnen und Bürgern manchmal etwas vorspielen muss. Ehrlichkeit ist eine Tugend, aber nicht immer zielführend.

Dazu gibt es ein Gläschen Sekt, das zumindest in Bayern nur verweigert werden darf, wenn man stattdessen um „eine Halbe Bier“ bittet. Das mag mal an einem Sonntag angehen, ist aber während der Arbeitswoche dem Leistungsvermögen abträglich – wenn auch es Spötter geben soll, die meinen, politische Debatten bekämen mit einem Plus an Promille auch ein Plus an Inhalt & Qualität.

Richtig gefährlich wird es, wenn es sich bei den Jubilarinnen und treuen Ehefrauen der Jubilare herumspricht, welche Vorlieben der Bürgermeister hat. So gibt es die Geschichte von einem Stadtoberhaupt, das zwei Jahre lang bei unzähligen Geburtstagsbesuchen nur noch Schwarzwälder Kirschtorte vorgesetzt bekam. Nur seiner robusten Konstitution war es zu verdanken, dass er zwar 20 Kilogramm Übergewicht, aber noch kein Diabetes davontrug. Ein anderer Bürgermeister meinte in der Mitte seiner Amtszeit mit verzweifeltem Ton: „Ich kann keine Weißwürste mehr sehen.“ Heute ist er Vegetarier, was ihn aber schnurstracks in die Torten-Falle führt.

Sind die Bürgermeister nun unglücklich mit ihrer Situation und Leibesfülle? Natürlich nicht.

Mag der eine oder andere zwar etwas jammern (was eigentlich als Koketterie verstanden werden muss) so wissen sie doch, dass sie nicht allein sind. Gemeinsamkeiten verbinden und jeder 1. Bürgermeister hat seinen 2. und 3. Bürgermeister, die er immer wieder zu Geburtstagen schickt. Und allesamt treffen dort den Pfarrer: „Na, Hochwürden, wie schmecken die Torte und die Weißwürste? Auf die Jubilarin natürlich: Prost!“

Bild von congerdesign auf Pixabay

 

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