Meeting: Die wichtigsten Fragen bleiben immer unbeantwortet

Im Gegensatz zu den Kollegen, die hinsichtlich Ausstattung stets bestens vorbereitet in einer Sitzung erscheinen, beschränke ich mich gerne auf einen Block, wahlweise ein Blatt Papier, und einen Stift. Beides leihe ich auch gerne direkt vor Ort … genau:

von dem Kollegen mit Aktentasche, der zu Beginn der Sitzung Schreibblock, Füllfederhalter mit Monogramm, Lineal sowie gefüllte Leitz-Ordner und sogar einen Locher bereitlegt. Millimetergenau im rechten Winkel zueinander angeordnet, versteht sich. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich will nicht über den Kollegen lästern, denn ich brauche ihn.

Allerdings ist mein Kollege – sein Verhalten, sein Denken und überhaupt – ein großes Geheimnis für mich. Ich verstehe ihn nicht, was nicht weiter schlimm ist (solange er ein Blatt Papier und einen Stift für mich hat), denn in einer Sitzung bzw. einem Workshop bzw. einem Meeting treffe ich regelmäßig auf Geheimnisse und Fragen, die immer unbeantwortet bleiben.

Warum zum Beispiel

  • kommt immer einer zu spät?
  • hat eigentlich immer der Nebenmann das Getränk, das ich so gerne hätte?
  • gibt es immer einen, der wieder von vorne beginnt, wenn eigentlich schon alles gesagt ist?
  • kann ich nach wie vor nichts Intelligentes sagen auf das so gerne hingeworfene „To be discussed“?
  • wird man immer vom Sitzungsleiter „abgeholt“ und wie wehrt man sich am besten dagegen?
  • gibt es immer einen, der die Tische zusammenrückt?
  • sind diejenigen, die im Meeting ausschließlich ein „Ich habe nichts!“ beitragen, danach die größten Kritiker und Lästermäuler?
  • steht in jedem Sitzungsraum ein Moderatorenkoffer und warum ist dieser nie vollständig?
  • stehen Ergebnisse und konkrete Handlungsaufträge aus einer Sitzung stets im umgekehrten Verhältnis zur Dauer der Sitzung?
  • macht immer einer das Fenster zu, wenn ich schwitze – und das Fenster auf, wenn ich friere?
  • gibt es schließlich so viele Sitzungen? Warum gibt es sie überhaupt?

Zugegeben und wenig überraschend: Ich bin kein Sitzungs-Typ.

Wenn ich etwas zu bereden habe, gehe ich lieber spazieren oder sitze – noch besser – auf einer Bank. Das hat zwei riesengroße Vorteile: Die Anzahl meiner Sitzungsteilnehmer ist natürlich begrenzt UND es stört keinen, auch einmal zu schweigen und in der Stille seinen Gedanken zu fassen oder das Gehörte sacken zu lassen. Stille in einem herkömmlichen Meeting ist unangenehm, peinlich und hält kaum einer aus. Vielleicht ist genau das das Problem….

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