Ich wär´ so gern ein Automann

Ich bin kein homo faber, zum homo oeconomicus ist es noch weit hin, der homo erectus liegt mir dagegen zu weit zurück. Den homo sociologicus sprechen mir meine (jetzt Ex-)Freunde ab, der homo sapiens erscheint mir im Anspruch zu vermessen. Und zum homo, der des homini lupus ist, dazu fehlt mir der nötige Blutdurst.

Das ist alles nicht weiter schlimm, denn ich möchte nur ein einfacher homo automobilicus sein.

Ich bin es aber nicht.

Und das, obwohl ich gerne in Fußballstadien und Baummärkte gehe.

Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Nun, es sind die drei Themen, die neben Job und Bausparvertrag, respektive Hausbau, ein Gespräch „unter Männern“ beherrschen. Sorry, meine Damen, es ist eine Mär, dass wir über Frauen reden.

Zurück zu den Autos: Der Mann der bundesdeutschen Provinz, wie ich es einer bin, zeichnet sich durch fundierte Kenntnisse aller vergangenen, gängigen und künftigen Automobiltypen aus – natürlich inklusive der jeweiligen Hybrid- und E-Varianten. Meist hat er den einen oder anderen Wagen bereits besessen – meine Generation der 1964er sollte zumindest einen Opel Manta, einen Ford Capri, einen Golf GTI oder einen VW Scirocco in seinen Jugendjahren vorweisen können. Selbstverständlich mit Sportsitzen, Sportgurten und mächtigen Bass-Lautsprechern, musikalisch gefüttert von einer selbst eingebauten Stereoanlage aus dem Sortiment von Conrad Electronic.

Jenseits der Fünfzig und nach den familiären Umwegen Kombi und Bus hat sich die Souveränität des Alters – zumindest in der bayerischen Kleinstadt – zwischen BMW, Audi und Mercedes entschieden, die Langweiler setzen weiter auf VW. Und die anderen? Kennt man nicht, denn man sollte schon darauf achten, mit wem man Umgang pflegt.

Während Kumpel auf einer frisierten „Kreidler“ oder „Zündapp“ die Straßen unsicher machten, besaß ich ein Peugeot 10-Gang-Rennrad, leider zwei Jahrzehnte vor dem Fahrradboom. Bei mir war es eher ein armseliges Fortbewegungsmittel, genau so wie später das von meinem Vater abgelegte, von einem Mofa nicht zu unterscheidende Mars Moped. Genau, das gab es im Quelle-Katalog, was wiederum den späteren Konkurs des Unternehmens nur logisch erscheinen lässt.

Mein erstes Auto war ein VW Polo Fox. Das sagt alles.

Es sprach und spricht vieles gegen mich: Den Führerschein bestand ich beim ersten Anlauf, was kein Fahrtalent bewies, denn mit einem solchen wäre ich zumindest beim ersten Mal wegen Geschwindigkeitsüberschreitung durchgefallen. Das zumindest behaupteten die Rennfahrer unter den Altersgenossen – und die hübschen Mädchen glaubten ihnen.

In den Jahren danach wurde es nicht besser. Abgesehen davon, dass ich wie unsere 80jährige Nachbarin einen Mitsubishi fahre, bin ich bewiesenermaßen der einzige Kerl in der Welt, der für sein Auto (und vieles andere) immer den regulären Preis bezahlt. Meine Autos brauchen mindestens zwölf Liter Benzin pro hundert Kilometer – und selbstverständlich fahre ich meinen Pkw erst zwei Wochen nach Ablauf der Vollkasko artgerecht zu Schrott, was Autohändler und Versicherungsvertreter freut.

Ich bekenne außerdem, dass auf den Sitzen meines Mitsubishi Brösel zu finden sind, ich mich mehrmals pro Woche trotz Navigationsgerät (wie bedient man das nochmal?) verfahre und bei der Inspektion staunend erfahre, was mein Auto alles kann. Jetzt weiß ich von dem Tempomaten, bedienen kann ich ihn aber nicht. Ein entscheidender Hinweis, der mir seitdem viel Rangieren an Tankstellen erspart, kam vor Kurzem von meinem Sohn: An der Tankanzeige im Cockpit weist ein kleiner Pfeil darauf hin, auf welcher Seite der Tankdeckel sitzt. Eine ungeheure Entdeckung, finde ich!

Es geht noch weiter: Nicht nur, dass ich beim winterlichen Fremdstarten zuvor immer googlen muss, wo jetzt genau das rote und das schwarze Kabel … ich habe mir auch schon aufgrund fehlerhaften Anschlusses sakrisch die Finger am geschmolzenen Kabel verbrannt.

Weit weg vom homo automobilicus jage ich mit geringen PS-Zahlen und wenig vorausschauendem Fahren bevorzugt am Berg mit 60 Stundenkilometern hinter Lkw-Kolonnen her. Ich habe immer noch keine Ahnung, wieviel Liter Benzin im Tank sind, wenn der Zeiger auf Rot steht – und wenn ich einen Reifen wechseln müsste, wäre ich verloren. Wo ist denn dieser blöde Ersatzreifen nur – und wo der vermaledeite Wagenheber?

Von all diesen persönlichen Defiziten wissen selbstverständlich meine Bekannten, Freunde und Arbeitskollegen nicht. Vielmehr nicke ich vielsagend, wenn wieder einmal profundes Autowissen den Stoff für sehr ausführliche Gespräche in Männerrunden hergibt. Meine geliebte Gattin meint, dass mein Bekenntnis zum grünen Flügel der roten Sozialdemokraten einzig aus einem Auto-Minderwertigkeitskomplex herrührt. Jedenfalls trete ich vehement für Umweltschutz, Verringerung von CO2 und für den ÖPNV ein, was wiederum nur ein mitleidiges Kopfschütteln erntet.

Zumindest glauben die Bekannten es mir. Ich fahre nämlich auch nicht Ski. Noch so ein Unding.

Twitter
Visit Us

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Back to Top
Twitter
Visit Us