Ich hätte so gerne zwei Hühner. Oder eine Schildkröte.

Ich wohne in einer Kleinstadt in einer, wie man so schön sagt, ländlichen Region. Ich wohne in einer idyllischen Siedlung in einem schmucken Haus UND: Ich habe keine Haustiere. Weil ich der Einzige im Umkreis von mehreren Kilometern bin, ist dies durchaus eine Nachricht wert.

Zugegeben, zusammen mit meiner Familie tue ich schon etwas dafür, dass sich Tiere in unserem Garten wohlfühlen. Blindschleichen räkeln sich hinterm Holzstoß, Hummeln und Schmetterlinge besetzen die Dolden des Sommerflieders. Bienen, Wespen, Hornissen sind wir ebenso gute Gastgeber wie Kiebitz, Bachstelzen, Meisen, Amseln, Krähen und alle Arten von Finken. Schnecken gibt es aktuell weniger bei uns, dafür sind die Ameisen einmarschiert – die Kleinen und die großen Waldameisen, deren Nester im Rasen sich stetig vergrößern. Ich hatte mir für die Bekämpfung aus dem Baumarkt Gift besorgt, weil ich es aber bei jedem Gang über Ameisen-Gebiet bei einem „Morgen bringe ich euch um“ belasse, leben wir weiterhin in mehr oder weniger friedlicher Koexistenz.

Die kleinen Krabbler, Kriecher und Flieger unterschiedlichster Art sind aber keine klassischen Haustiere wie Hund´ oder Katz´, von denen all unsere Nachbarn mindestens zwei besitzen. Während die Hunde und ihre Hinterlassenschaften die Strecke meiner Spaziergänge und armseligen Jogging-Versuche bestimmen, definieren die Katzen die Vegetation in meinem Garten. Nun gut, wir haben keine Wühlmäuse, dafür aber sicher auch weniger Vögel, denn es sind sehr, sehr viele Katzen aus der Nachbarschaft bei uns auf der Jagd.

Und in Ermangelung eines eigenen Katers ist unser Garten gewissermaßen das Revier aller Katzen – und die Thuja Smaragd Pflanzen, in die wir als Sichtschutz zur Straße investiert haben, ihr bevorzugtes Klo. Das wiederum führt bei den Thuja Schwächlingen zum baldigen Tod, zu Lücken in der grünen Wand und zu weiteren teuren Pflanzen-Investitionen. Im Angesicht der frechen Katzen (und auch der Hunde, die wiederholt ihr Geschäft in meinem Garten verrichten) lockt die große Wasserpistole meiner Söhne, ABER ich habe auch gelernt, dass es keine menschliche Spezies gibt, die aggressiver und militanter sein kann als: Der Tierschützer.

Ergo: Ich muss nicht alle Tiere mögen, wo wie ich auch nicht alle Menschen mag. Ich tue aber dem einen so wenig etwas zuleide wie dem anderen.

Kein Hund, keine Katze, aber ich hätte gerne Hühner. Ich finde sie lustig, sie legen Eier und sind auch sonst in jeder Hinsicht genießbar. Allein: Meine Frau sträubt sich dagegen, denn Hühner machen Dreck, sie sind laut und außerdem holt sie der Marder. Mit einer Bekannten namens Elke, die ähnliche Gedanken pflegte wie ich, hatte ich bereits die Bestellung von vier zutraulichen, wirtschaftlich rentablen Deutschen Reichshühnern fertig, bis meine Frau ihr Veto einlegte.

Dann also eine Schildkröte, die meine Söhne mit einem sehr alten, sehr platten Witz kommentierten: „Die ist doch für dich viel zu schnell, Papa!“ Nun, denn: Bleibt der rote Krebs eben ohne Haustier…. schade….

Bild von Helga Kattinger auf Pixabay

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