Ein Jahr ohne Wellness? Unvorstellbar!

Eine Seuche moderner Zeiten firmiert in hunderttausend Varianten unter dem Titel „Wellness“. Und bevor Sie weiterlesen, geben Sie es ruhig zu: Sie wissen sehr genau, was ein SPA* ist! Meine Mutter nämlich hätte es nicht gewusst.

Es sind die neuen Möglichkeiten unserer Zeit, die „Wellness“ geboren haben. Und es ist die seltsame Dynamik der monetär lukrativen Arbeitszeitverdichtung einerseits und der „eingedampften“ Freizeit andererseits, die eine komprimierte Wellness-Auszeit für viele Menschen so nötig machen … idealerweise mit Dampfbad, Massage und gesundem, dennoch leckerem Essen.

Früher (und nein, früher war nicht immer alles besser) füllte man seine Freizeit gerne mit Hausbau (dem eigenen oder dem von Freunden), Reparaturen am Haus und/oder Werkeln im heimischen Garten. Es gab immer etwas zu tun – und wer ein Freund des temporären Müßiggangs war, der gönnte sich einen Besuch in der städtischen Sauna, zwei Bier im Kegelclub oder aber eine Stunde auf der Liege in der Sonne. Letzteres aber nur, wenn der Garten durch Zaun und Büschen gut abgeschirmt war, denn was würden denn sonst die Nachbarn sagen: Hat der denn gar nichts zu tun?

„Ich-Zeit“ gab es damals noch nicht.

Heute gibt es dagegen „Auszeit zu zweit“, die auch „Wohlfühltage“ oder „Du & Ich“ oder „Body & Soul“ oder „Ein schönes Wochenende“ heißen kann. Genau: Wellness ist zuallererst für Pärchen, alternativ für zwei Freundinnen oder Damen-Gruppen. Herren im Doppelpack, die gemeinsam wellnessen, sind jenseits von Klischees dennoch selten heterosexuell; Singles fehlt bei einem kurzen Aufenthalt in einem SPA das Besondere, gelten aber beim Wellness-Urlaub mitunter als suspekt oder alternativ als traurig oder gar erbärmlich.

So der so lässt man laut Werbetextern auf der ganzen Welt beim Wellnessen die Seele baumeln. Böse Zungen behaupten, sie wird dabei auch gerne mal erhängt.

Die Bestandteile der Wohlfühl-Auszeit orientieren sich an der Geldbörse, allerdings nur noch selten am Standort – was daran liegt, dass ein 5 Sterne Wellness-Hotel im Bayerischen Wald locker mit Wellness-Oasen in der Karibik konkurrieren kann. Und zwar hinsichtlich Angebot UND Preis.

Wohlfühl-Hotel, SPA-Bereich mit Pool und Sauna, Massagen aller Art, Beauty-Farm und Sport Center, Kulinarik, üppig und gesund – eine sehr kurze Google Recherche schüttet ein pralles Füllhorn von faszinierenden Begriffen über den zunehmend verstörten Suchenden (also mich) aus. So fand ich

  • im SPA unterschiedlichster Anbieter: Outdoor-Naturpool mit Sonnendeck, römisch-irisches Schwitzbad, Thermalwasserbecken, Indoor-Pool mit Massagedüsen, Fußmassagebecken, Wellnessdusche, Regendusche, Dampfbad, finnische Sauna, Infrarotsauna, Zirben Bio-Sauna, Salzgrotte, türkisches Hamam, Samarium mit Farblicht und Aromatherapie, Brotsauna (wo der Geruch frisch gebackenen Brots die Produktion von Glückshormonen anregt), Sauna-Stadl, Eisbrunnen oder Solanum.
  • ein Vitalzentrum in wohliger Atmosphäre samt Meditation mit sinnlichen Düften, wertvollen Ölen, Toten Meer Salz und heilsamen Kräutern für Massagen, Körperpackungen und Bädern.
  • Beautyfarmen mit pflegenden Gesichts- und Körperbehandlungen, der Dr. Spiller Weltenreise, Schiefersteinmassage, Lomi-Lomi-Ganzkörpermassage, Ayurveda Abhyangha Massage, Aroma Öl Massage, Rosenölmassage und einem Milch-Bad mit Goldstaub.
  • erfrischende Gesundheit pur mit Edelsteinwasser zur Begrüßung und jeglicher Art „belebtem Wasser“ zur Entspannung oder Vitalisierung … wie man es eben gerade braucht.
  • sportliche Betätigung in der Fitness-Oase oder bei dem Wellness-Anlass angemessenen Sportarten wie Nordic-Walking, Golf, Tennis, Reiten oder E-Bike-Touren.
  • kulinarischer Genuss in Form von Landfrühstück mit vielen Bio-Produkten & Spezialitäten, 6-Gang Gourmetmenü inklusive Weinbegleitung, Schlemmerbuffet mit regionalen Erzeugnissen und saisonalen Produkten, auf Wunsch gerne Reduktions- und Trennkost.

Wichtig dabei: Ein kuscheliger Bademantel, Bade-Slipper und Badetasche während des Aufenthalts.

Ob auf einer Farm oder in einer Oase, das Wichtigste an einer Wellness-Wohlfühl-Auszeit – scheint mir – ist aber vor allem: Es anderen davon erzählen zu können …. mit dem dezenten Hinweis „Ich habe es mir verdient!“ Das ist nach wie vor wichtig, um sich auch bei der Mutter zu entschuldigen 😉.

*Wikipedia sagt: Der Begriff SPA wird analog zur Wortbedeutung im Englischen als Oberbegriff für Gesundheits- und Wellnesseinrichtungen verwendet. Der Name leitet sich vom belgischen Badeort Spa ab. Britische Touristen besuchten das Heilbad seit dem 16. Jahrhundert, sein Name verbreitete sich ab dem 17. Jahrhundert. Die oftmals zu findende Deutung von „Spa“ als Abkürzung für lat. Sanus Per Aquam, Salus Per Aquam oder Sanitas Per Aquam („Gesundheit durch Wasser“) ist nicht historisch, sondern ein historisierendes Backronym (diesen Begriff bitte selbst googlen 😉).

 Bild von Tumisu auf Pixabay

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