In der Sauna – auf der untersten Bank

Ich saß gestern mit meinem Onkel in der Sauna. Im Bulmare. Und es ging mir richtig gut. Ich war sehr entspannt im nachmittäglichen Urlaub-Wohlfühl-Modus und dachte: „So schön kann also Sauna sein.“

Tatsächlich sind meine bisherige Erfahrungen ganz andere. Dann ich konnte und kann der seltsamsten Erscheinung moderner Unternehmenskultur nicht entfliehen: Dem regelmäßigen Sport (Badminton) früher mit Kolleginnen und Kollegen, heute mit Kunden. Saunabesuch inklusive.

Ich bin nicht scharf darauf, meine Kolleginnen, Kollegen oder Kunden nackt zu sehen. Das liegt auch daran, dass die meisten von ihnen Profis in diesem sehr, sehr heißen Raum sind, ich dagegen in vielen Jahren den Sprung aus der Sauna-Amateurliga nicht geschafft habe.

Man erkennt mich daran, dass ich der untrainierte Kerl auf der untersten Bank bin. Dort verstecke ich durch die entsprechende Körperhaltung notdürftig meinen stattlichen und bleichen Bauch, dabei sittsam die haarigen Beine geschlossen — für die Spötter unter meinen Solarium gebräunten Kollegen ein deutliches Zeichen von Verklemmtheit.

Diese Spötter liegen natürlich in der obersten Reihe und bevorzugen es, all die Öffnungen am durchtrainierten Körper wie selbstverständlich zu präsentieren. Sie liegen auf großen, sehr großen Sauna-Badelaken, während ich wieder nur ein mittelgroßes, also definitiv zu kleines Handtuch dabei habe.

Nur kein Tropfen Schweiß auf das Holz, sonst gibt es Ärger…

… und zwar mit dem selbsternannten Sauna-Chef (meist männlich und wenn weiblich, dann sehr männlich), der nach einem mir nicht nachvollziehbaren Sauna-Gesetz in jeder öffentlichen Sauna sitzt. Stundenlang. Tagelang. Ein Leben lang.

Der Sauna-Chef besitzt die Insignien der Sauna-Macht: Den Wasserzuber, die Schöpfkelle und eine ätherische, stark ätzende China-Pfefferminz-Tiger-Ölmischung. Und wenn es dann Zeit ist für den Aufguss, ist es für mich schon zu spät, denn jetzt darf keiner mehr raus!

Mit brennenden Augen und röchelnder Lunge schwinden meine Abwehrkräfte — und ich frage mich, was denn geschehe, wenn just in diesem Moment ein fanatischer, bleicher Sauna-Gegner aus dem Nordosten von Alaska die Tür von außen verschließen und die Temperatur erhöhen würde?

Tut er glücklicherweise nicht. Zumindest nicht im Bulmare.

Ich hatte mich nämlich eigens versichert, dass kein bleicher Gast aus dem Nordosten von Alaska sich angekündigt hat ….

 

 

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