Ich wünsche Ihnen ….

Es ist immer wieder spannend, etwas genauer anzusehen und darüber nachzudenken, was man selbst häufig und gedankenlos verwendet.

„Ich wünsche Ihnen all das, was Sie sich wünschen.“ Dieser Satz, den ich gerade in der Adventszeit und zum Jahreswechsel entweder selbst gerne benutze oder den ich als Ghostwriter in die Reden, Grußworte oder Weihnachtskarten von Kunden schreibe, hat es bei genauerem Hinsehen in sich.

Es ist nämlich nicht nur ein ziemlich großer und umfassender Wunsch, sondern ein besonders unberechenbarer. Denn wer weiß denn mit absoluter Sicherheit, was sich der andere wünscht?

Stellen Sie sich vor, Ihr Gegenüber wünscht sich nichts Geringeres als die Weltherrschaft? Oder Florian Silbereisen als Bundeskanzler und Donald Trump als …. Moment mal: Wer hat sich das gewünscht?????

Noch gefährlicher sind solche „all das, was du willst“-Wünsche, die eine direkte Interaktion mit dem Absender beinhalten. Wenn sich zum Beispiel mein Wunsch-Nutznießer wünscht, dass ich die Krätze bekomme. Wenn also dieser Kerl einer ist, der seine tiefsten Wünsche gut zu verstecken weiß und hinter einem falschen Lächeln dir Pest und Cholera an den Hals wünscht. Oder im Business deine Insolvenz. Dann würde man sich das ja selbst wünschen – sofern man zu diesem Zeitpunkt der Argumentation noch keinen Knoten in den Gehirnwindungen hat.

Positiver, aber nicht minder schwierig, ist die positive Deutung dieser Wunsch-Wünsche-Kommunikation. Einmal angenommen, ein frisch verliebter Jüngling sagt dies zu seiner Angebeteten – in der Hoffnung, dass sie sich genau DAS wünscht. Dann hat er zwar gewünscht und sie wünscht auch, aber wer nennt ihn dann auch beim Namen, den Wunsch? Ich fürchte, hier wurden schon unzählige Chancen vertan und unglaublich viel Zeit verschwendet.

Zurück zum Business und zu offiziellen Reden und Grußworten. Angesichts der fehlenden Eindeutigkeit des genannten Wunsches, empfehle ich folgende Modifikation:

„Ich wünsche Ihnen all das, was Sie sich wünschen, vorbehaltlich es den guten Sitten entspricht, keine kriminelle Tat nach sich zieht oder ungehörige Macht-Phantasien beinhaltet.“

Hmmm, das wiederum klingt irgendwie nicht gut.

Dann vielleicht doch die saloppe Variante „Ich wünsch euch was“.

Das klingt sympathisch UND lässt alle Optionen offen.

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