Heute machen wir mit der Familie eine Wanderung!

An den Kindern merkt man, wie schnell die Zeit vergeht. Und sie werden so unglaublich schnell groß. Beide Beobachtungen lassen sich an unzähligen Beispielen beweisen, eines davon ist die Wanderung mit dem Nachwuchs, die entlang ihres fortschreitenden Alters ebenfalls einen evolutionären Prozess durchläuft. Nach intensiven Recherchen konnte ich hier insgesamt sechs Phasen identifizieren:

Phase 1: Ich schiebe, also bin ich.

Die meisten Kilometer legen Eltern zweifellos mit dem Säugling zurück. Der Kinderwagen bzw. Buggy als schaukelndes Einschläferungs-Vehikel ist in den Familien seit alters her bewährt – Runde um Runde drehen Mutter und Vater im sehnlichen Wunsch, das Schreien im Wagen möge endlich aufhören. Übervorsichtige Väter-Novizen tragen allerdings zur Schlaflosigkeit des Nachwuchses insofern bei, dass sie alle 20 Meter nachschauen, ob das schlummernde Baby noch atmet. Im Winter ist das immer auch mit aufwändigem Ein- und Auspacken verbunden.

Phase 2: Wir entdecken die Welt.

Zehn Meter, vielleicht auch mal 20, mehr sind es in der Regel nicht, wenn man mit Kindern unterwegs ist, die gerade begonnen haben zu laufen. Diese neuen Möglichkeiten der scheinbaren Unabhängigkeit äußern sich in zwei Extremen: Entweder die Kleinkinder hauen ab (und werden natürlich schnell eingefangen) oder sie erkunden die Welt um sich herum. Ein kleiner Kiesel am Wegesrand, der Löwenzahn daneben, ein Regenwurm und noch viel anderes Zeuch, das man Minuten lang beobachten, mit Patschehändchen anfassen und in den Mund nehmen kann. „PFUI! Spuck´ es wieder aus“, ich weiß nicht, wie viele tausende Male ich das als Vater sagen musste.

Phase 3: Ich packe meinen Koffer und…

Mit Merlin wandern
Mit Merlin wandern

Kinder im Grundschulalter können unglaublich ausdauernd sein und klaglos sehr, sehr lange Wanderungen bewältigen – solange sie abgelenkt sind. Für Eltern bieten sich Spiele wie „Ich sehe was, was du nicht siehst“ oder eben besagter Koffer an, in den auch schon mal ein ausgewachsenes Krokodil neben einem Feuerwehrauto Platz findet. Eine vorausschauende Mutter (Väter denken selten so weit), die um die begrenzten Spiel-Ressourcen von Erwachsenen weiß, wird hier zu einer anderen Lösung greifen: Die beste Freundin bzw. der beste Freund darf mit zur Wanderung.

Phase 4: Wie weit noch?

Tatsächlich steht man jetzt als Eltern vor der schwierigen Entscheidung: Nimmt man die jammernden und nölenden, halbwüchsigen Plagen zur Wanderung mit – oder lässt man sie zuhause? Akzeptiert man das „Keine Lust!“ und „Nicht schon wieder!“ der faulen Jugend oder erfüllt man den Erziehungsauftrag, der u. a. frische Luft und Bewegung einfordert. Die eigene Erfahrung zeigt: Irgendwann sind die Eltern zermürbt, reden sich ihr Versagen schön … oder hat der Nachwuchs plötzlich einen Freund oder eine Freundin. Händchenhaltend lassen sich nämlich etliche Kilometer spazieren, nur will man seine Eltern nicht dabeihaben.

Phase 5: Herausforderung angenommen.

Eine Phase, die in früheren Zeiten getrennt voneinander gelebt wurde, was heißt: Mit spätestens 17 wurde die Jugend flügge und ferienjobbte fleißig, um erste billige Urlaube allein mit Freunden zu unternehmen. Da heutzutage die Ferien mit nicht bezahlten Praktika gefüllt sind, Studentenbuden (zu) teuer sind, Mama sehr gut kocht und Wäsche wascht und überhaupt die traditionelle Nestflucht wohl bald völlig verschwindet, ist der moderne Familienurlaub einer mit erwachsenen Kindern und zahlenden Eltern.

Man geht gemeinsam gerne wandern. In die Berge. Oder über Nationalpark-Trails in fremden Ländern. Sollte Kind ein Junge sein, wird es fast zwangsläufig zum rituellen Wettkampf der Generationen kommen: Wer kann schneller, höher, weiter – der Vater wird versuchen, so lange wie möglich als Sieger aus dieser Herausforderung hervorzugehen. Und er wird verlieren, häufig viel früher als später.

Phase 6: Papa, geht es noch?

Wohlwollende Rücksicht, Mitleid gar: Den bejahrten Eltern bleibt die Hoffnung, dass bei gemeinsamen Familienwanderungen die Kinder für Enkel gesorgt haben UND PHASE 2 sich wiederholt. So ein kleiner Kiesel oder vorwitziger Löwenzahn – man sollte sich Zeit dafür nehmen.

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