Es ist Sonntag und es scheint, der Sommer hat sich erst einmal verabschiedet. Draußen regnet es grau, drinnen hänge ich meinen Gedanken nach, die ganz unterschiedliche Farben haben.
Zu meinen Ticks gehört, dass ich fast alles zähle. Dass ich zähle, wenn ich etwas mache, das nicht meine volle Aufmerksamkeit erfordert. Ich zähle beim Gießen, beim Trainieren, beim Warten. Ich weiß nicht, ob ich hier mögliche Langeweile vertreiben oder Ordnung in eine Sache bringen will. Ein zweiter Tick gehört meinen Fingern, bevorzugt dem Daumen und dem Mittelfinger. Sie zeichnen gerne Vierecke, entweder auf die Haut (der Hand) oder einfach in die Lift. Die geometrische Form, vielleicht gibt sie mir ebenfalls Struktur im orientierungslosen Chaos, das oft meine Gedanken herumwirbelt.
Bereits meine Mutter rüffelte mich regelmäßig dafür, dass ich Schubladen, Türen, überhaupt fast alles einen Spalt weit offenlasse. Also nie etwas richtig schließe. Diese Eigenart ist auch heute ein fortwährendes Ärgernis für meine Frau. Ich halte mir wohl gerne meine Optionen offen.
Ich würde gerne der Chronist von irgendwas sein.
Wenn jemand einen Satz mit „Ich habe ja nichts gegen“ beginnt, darf man sicher sein, dass noch in diesem Satz der Hass seinen Anfang nimmt.
Meine Bildschirmzeit auf dem Smartphone betrug vergangene Woche 1 Stunde 28 Minuten. Jede Woche bekomme ich von meinem Smartphone eine Nachricht, wie lange ich es genutzt habe. Mal abgesehen davon, dass ich viel zu oft und viel zu lange online bin, frage ich mich: Wie viel Zeit widme ich Menschen und insbesondere den Menschen, die ich mag?
An einem spätsommerlichen Abend auf unserer Terrasse tröstet mich der Blick auf Eichen, deren Eicheln wie gelbe Bonbons in der Dämmerung blitzen.
Es ist doch gerade erst gestern gewesen, dass … immer häufiger springt mich dieser Gedanke an. Und jedes Mal wird mir mit einem großen „Schade“ bewusst, dass es nicht gestern, nicht vorgestern, sondern vor vielen Jahren war. Diese Gedanken sind leider nicht tröstlich, sondern machen traurig. Immer. Und nein, das Mantra des „bewussten Lebens im Augenblick“ hilft hier herzlich wenig.
Ich stelle mir vor, wie ein aufdringlich Gutgelaunter morgens mit einem Lächeln erwacht, fröhlich lärmend seinen Kaffee kocht, ein Liedchen trällernd seine Zähne putzt, sich pfeifend anzieht, beschwingt zur Haustür tänzelt, sie schwungvoll aufreißt und munter in die Ferne jubiliert: „Einen wunderschönen GUTEN MORGEN…“ und der Morgen ihm stante pede sine scheuert mit den Worten „Halt einfach dein Maul!“.
Wenn die KI Deine Geschichten erzählt, was braucht es dann noch mich/den Menschen?
KI ist in ihrem Streben nach der konformen Mitte so unglaublich langweilig.
Es hilft wenig, dass ich denjenigen, die heute meine sture Skepsis gegenüber dem technischen Fortschritt belächeln, in naher Zukunft ein „Habe ich es euch nicht gesagt?!“ entgegen schleudern werde. Abgesehen davon, dass die „Ich hatte Recht“-Attitüde ziemlich erbärmlich daherkommt, wird es die KI nicht sonderlich interessieren. Ich bin gespannt, ob der Science-Fiction „Matrix“ eintreffen wird und wir zumindest als menschliche Batterien für die Maschinen eine Funktion erfüllen werden.
