Ich mag gerne einfach an einem Ort sitzen, an dem Menschen vorbeikommen. Mir reicht meist diese kurze Zeitspanne des „Vorüberziehens“, um nicht weiter darüber nachzudenken.
Obwohl ich vor wenigen Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten bin, liebe ich es nach wie vor, in einem Gotteshaus zur Ruhe zu kommen. Und ich mag Gottesdienste, genauer die Liturgie und die Rituale. Auf die Predigt kann ich gut verzichten, sie lenkt mich nur davon ab, mich einfach fallen zu lassen. Kirchliche Musik dagegen hilft mir dabei sehr – und manchmal meine ich sogar, Gott zu spüren. Und wenn nicht, dann zumindest mich.
Ich mache häufig etwas, ohne darüber nachzudenken. Das ist auch in Ordnung so, anstrengend wird es nur, wenn ich es erklären soll.
Meine leidenschaftliche Ungeduld springt an, wenn so viele Worte für wenig Inhalt verwendet werden – und es nicht spannend erzählt wird. Eine gute Geschichte kann ich immer verzeihen.
Menschen, die ich wirklich beneide, gehen wie selbstverständlich in die Hocke und lassen dabei die ganze Sohle auf dem Boden. Sie halten gehockt mühelos ihr Gleichgewicht und tun Dinge. Sie können auch lange auf einem Bein stehen. Ich dagegen falle gerne um.
Auf einem Trottoir gehend einen anderen zu überholen, empfinde ich als äußerst unangenehm. Es beginnt schon früh beim Annähern und hört nach dem Überholvorgang noch lange nicht auf.
Mich faszinieren Photographien, bei denen ich mich frage, wer hat wohl die Kamera bedient? Lange vor Stativ und Selbstauslöser schaffte eine Fotografie plötzliche Nähe zu unbekannten Menschen: Heute ist das „Könnten Sie bitte ein Foto von uns machen?“ der Sterilität eines Smartphones gewichen, mit dem man am ausgestreckten Arm „von oben“ ein schlankes Bild von sich selbst kreiert, kunstvoll bearbeitet – und der applaudierenden Öffentlichkeit „so cute“ online kredenzt. Fotograf und Motiv sind dieselbe Person. Es ist meist entlarvend und fast immer langweilig. Ich vermisse den unbekannten Fotografen, der in der Fantasie so viel Stoff für eigene Geschichten liefern könnte.
Jarett Kobeck: „Geld ist die Einheit, in der Demütigung gemessen wird. Was würde ich für 1 Euro tun? Was würde ich für 1.000 Euro tun? Was würde ich für eine Milliarde Euro tun?“
Dublin ist keine Stadt für Suchende, deren Gier sie in schmutzige Ecken treibt und sie das Verbotene einsaugen lässt. Dublin ist eine Stadt für ältere Herren, die auf einem Spaziergang gerne ein Bier trinken, für ältere Damen, die sich gerne vor traurigen Musikern drehen – und für Junggesellenabschiede allerlei Geschlechts. Dublin ist eine lustige, sympathische Stadt, die immer trinkt, ohne jemals wirklich betrunken zu sein.
Und plötzlich mag man die eigenen Texte nicht mehr. Man ist faul geworden und nachlässig und hat sich daran gewöhnt, in endlosen Wiederholungen nur schlechte Kopien seiner eigenen Geschichten anzufertigen. Was früher eine sprachliche Finesse war, eine unverkennbarer Hinweis auf den Charakter dahinter, ist heute zur leeren Manieriertheit geworden. Schale Texte, bei denen das ernsthafte Nachdenken und das genaue Hinschauen fehlen.
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