Hommage an …

Eine Bekannte, Heike, stellt Trüffel-Pralinen her. Und weil ich ein Geschichtenerzähler bin, fragte sie mich, was mir denn dazu einfalle. Unweigerlich kamen mir sofort einige Damen in den Sinn ….

Spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem er eine Praline langsam in seinen Mund schiebt, wird jeder Mensch (also auch ein Mann) zugeben, dass jetzt eine vortreffliche Gelegenheit ist, sich der einen oder anderen Sentimentalität hinzugeben.

Ich bin sicher: Die erste Süße sendet auf direktem Wege starke Impulse an die Bereiche im Gehirn, die für schöne Erinnerungen zuständig sind. Die Oma, die in ihrer Schürze ein klebriges Bonbon als Medizin für Schürfwunden bereithielt. Die brüchige Tafel billiger Schokolade, mit der uns die Großtante bei ihren Besuchen beglückte. Die erste Schnaps-Praline vom mürrischen Opa als erste Insignie der Mannwerdung.

Die Gedanken an Vergangenem, die Sehnsucht nach Unerreichbarem und der Wunsch nach Vergnügen, das nach dem Genuss noch lange nachwirkt – all dies führte dazu, dass ich seit geraumer Zeit den bevorzugten Pralinen Namen von Damen zu geben pflege, die ich als junger Mann gerne in amouröse Verwicklungen getrieben hätte … und doch nicht habe.

Nehme ich zum Beispiel Blumen-Trüffel aus der Pralinen-Schachtel, dann flüstere ich leise „Birgit“. 30 Jahre ist es her, dass sie in der 7. Klasse ganz langsam zur vollen Schönheit erblühte – und die Klassenversetzung der verwirrten Jungs in den Tischreihen vor und hinter ihr ernsthaft gefährdete. Ich kam ohne Kuss, aber mit drei Vieren in den Hauptfächern noch glimpflich davon.

Esse ich Holunderblüten Trüffel, denke ich unweigerlich an Petra. Sie war wie ein frisch gewaschener Frühlingsmorgen, elfengleich tanzte sie über die Wiese – und heiratete wenige Jahre später einen evangelisch-lutherischen Theologie-Professor.

Champagner Trüffel. Ich sage nur: Carmen! Während wir Asti Spumante und Cola-Weizen in uns schütteten, bestellte sie Perrier statt Mineralwasser. Sie war so alt wie ich und doch so viel älter – perlend, verboten, ganz weit weg. In den vielen schlaflosen Nächten, in denen ich sie leidenschaftlich geliebt hätte, durfte auch niemals der Glamour Hollywoods fehlen, Happy End leider exklusive. Ich schaue Dir in die Augen, Kleine.

Die Jahre danach ziehen vor meinem inneren Auge vorbei, wenn ich After-Eight Trüffel, Pina Colada Trüffel, Vin Santo Trüffel und Campari Orange Trüffel auf meiner Zunge zergehen lasse. Michaela – sie alle tragen den gleichen Namen, sie alle verschmähten mein Werben.

Michaela. Die eine war very british, die andere hinterließ immer Lippenstift am Rotweinglas. Die dritte lachte lauthals los und ich wusste nie warum. Die vierte schließlich nährte meine Sehnsucht drei Stunden lang beim Stehempfang – so lange sie am Campari nippte. Es war so bitter.

Die muskulösen Waden von Barbara, die ruppige Widerborstigkeit des Weibes aus dem tiefsten Bayerischen Waldes, kommt mir in den Sinn, wenn ich mich schließlich am Blutwurz Trüffel labe. Ich träumte davon, in ihren starken Armen zu ersticken – vielleicht rettete es mein Leben, dass sie sich für Sepp entschieden hat.

So oder so: All die Damen wissen nicht, was sie versäumt haben. Ich dagegen habe die Trüffel Pralinen.

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