Lass´ mich das mal machen!

„Stell´ dich nicht so an. Warte mal, du machst das nicht richtig. Lass´ mich mal.“ Es gab und gibt in meinem Leben mehr als einen Menschen, der mir mit diesen Worten meine Grenzen aufgezeigt hat, ….  um es dann besser zu machen.

Und tatsächlich könnten solche Erfahrungen ein Selbstbewusstsein dauerhaft erschüttern – wenn, ja wenn man nicht eine Strategie daraus gebastelt hätte.

Es begann damit, dass ich bereits sehr früh feststellte und gleich auch praktisch bewies, dass meine motorischen Fähigkeiten und meine handwerkliche Begabungen nicht den Ansprüchen eines Handwerker-Haushalts genügten. Ebenfalls war mein Interesse, dem mit Elan und Freude entgegenzuwirken … sagen wir mal: schwach ausgeprägt. Sehr schwach sogar.

Ich träumte lieber anstatt mich mit technischen Herausforderungen zu beschäftigen. Allerdings hatte ich nichts gegen körperliche Anstrengungen. Mein Vater, Elektromeister seines Zeichens, meinte einmal: „Gebt meinem Sohn eine Schaufel (siehe Bild) und einen großen Haufen Kies und er wird es schnell erledigen. Auch für das Schlitzhauen für Elektroleitungen ist er sehr gut zu gebrauchen.“

Natürlich, denn bei stupiden Arbeiten kann man herrlich träumen.

Nebenbei: Das Imperfekt und das Perfekt der vergangenen Sätze kann man problemlos durch das Präsens ersetzen. Sie stimmen trotzdem.

„Ich zeige es dir. Oder warte, lass mich mal machen!“ Es begann damit, dass ich in sehr jungen Jahren mein Rad nicht nur putzen, sondern auch die Kette spannen und die Reifen aufpumpen sollte. Noch heute frage ich mich, was man dabei falsch machen kann, allerdings war mein Opa der Meinung, dass ich das wohl hätte können, also „es falsch machen“. Seine Geduld mit mir war deshalb sehr begrenzt – und ich einen ersten Job los.

Ich war der Tollpatsch der Familie, bei dem allesamt (von Opa über Papa bis Mama) sehr früh eine handwerkliche Karriere ausschlossen. Wenngleich: Für Handlangerdienste taugte ich sehr wohl; neben der bereits erwähnten Schaufel durfte ich dies im Alter von 15 bis 24 in diversen Ferienjobs auf dem Bau, in der Gärtnerei, in der Schlosserei, am Fließband, in einem Lager oder als Hausmeister den Besen schwingend beweisen.

Und wenn ich mit meinen Händen bzw. körperlich an etwas Kniffligem arbeiten muss, dann tue ich das gerne allein. Zum einen, weil ich gerne in Ruhe – ohne ungeduldige Ratschläge von der Seite – darüber nachdenke, was ich als Nächstes tun muss. Zum anderen, weil ich eher ein ungeduldiger Mensch bin und – wenn es zwickt und hakt – bevorzugt etwas kaputt mache. Auf entsprechende Kommentare kann ich dann gut verzichten, zumal ich selbst stinksauer auf mich bin.

Das Los meines Lebens: Ich bin seit jeher und bis ins hohe Alter umgeben von Menschen, die es nicht nur „besser können“, sondern es in jedem Fall auch besser machen wollen. Ich vermute, es ist eine selbsterfüllende Prophezeiung, dass ich unterbewusst die Gesellschaft von Expertinnen und Experten jeglicher Art suche – und finde. Das führt so weit, dass ich selbst meine Kerndisziplinen wie Naturwissenschaften oder Informatik irgendwann einmal verloren habe und mich gänzlich auf die Hilfe anderer verlasse. Wie zum Beispiel auf meine Frau und meine Söhne, wenn es um die Handhabung moderner Technik geht – sei es Fernseher, PC oder Auto

Im Gegenzug ist mir gänzlich das Missionarische fremd. Ich mische mich ungern in die Arbeit anderer ein. Meine geliebte Frau hat dazu eine klare Meinung: „Du magst einfach nicht mit anderen zusammenarbeiten. Entweder du bist der Chef oder du tust genau das, was man dir sagt. Du willst vor allem eines nicht: diskutieren.“

Generell: Wenn einer es bereits macht, warum sollte ich es dann auch machen? Das ist wenig effizient. Auch im Job mische ich mich deshalb nicht in die Aufgaben des Chefs ein (er wird dafür ja bezahlt).

Es gibt nicht wenige, die mich als ungeschickt, als sehr bequem, als begriffsstutzig, als (technisch) unbegabt und/oder als faul bezeichnen. Vielleicht haben sie sogar Recht, aber bereits die erste Erfahrung mit meinem Opa hat gezeigt: Ich kann die meiste Zeit ganz gut damit leben.

 

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