Urlaub …. mit Familie all inklusive

Natürlich ist es Italien. Es könnte aber auch Kroatien, Kreta, Spanien, Fuerteventura, Ägypten oder Mallorca sein, Hauptsache all inklusive.

Wer mit Kleinkindern Pauschal-Urlaub macht, tut dies wohlüberlegt in einem sonnigen Land, denn verregnete Ferien können die quengelnde Brettspiel-Hölle sein, zerlegtes Hotelzimmer inklusive.

Ratsam ist zudem ein hermetisch abgeriegeltes Hotel mit großem Buffet, an dem selbst die heikelsten Bälger Nahrung finden. Ferner rate ich zu Ferienanlagen mit Animation UND vor allem mit einer Minidisco.

„Schnappi, das Krokodil“, „Das rote Pferd“, „Fliegerlied“ und „I am the Musicman“: Ich hatte keine Ahnung, wie das gemeinsame Musik-Erleben die Familie festigt, allerdings auf einer gänzlich anderen Weise, wie es der Vater vielleicht dachte. Sich mit den Kleinsten auf der Tanzfläche zu verrenken, führt bedauerlicherweise in den seltensten Fällen zu einer Fortführung mit der Mutter, wenn der Nachwuchs schläft. Sexy ist definitiv etwas anderes.

Der erfahrene Familienurlauber wägt ab:

Für ein Hotel, in dem sich auch Senioren wohl fühlen, spricht die Anwesenheit potentieller Aufsichtspersonen. Eine kurze Sekunde nicht hingeschaut, der urlaubskinderlose Opa von weiter hinten am Flur rettet den Jüngsten vom 5 Meter-Turm. Und seine fürsorgliche Frau bastelt mit unglaublicher Geduld alles, was im Kids Club dem Nachwuchs einfach nicht gelingen will. Das ist sehr beruhigend.

Andererseits bestehen bei „all inklusive“ gerade ältere Menschen („Wir haben doch früher nichts gehabt.“) darauf, alles zu konsumieren, wofür man bezahlt hat. Und dazu gehören die alkoholischen einheimischen Getränke gleich neben dem Kaffee-Automaten. Fuerteventura im Jahre 2006, morgens um 10, holte der Opa für die Oma den ersten Cocktail. Und es sollte nicht der letzte sein ….

Also doch ein Hotel ohne Senioren, aber mit vielen anderen Familien.

Die Erfahrung zeigt dummerweise: Kinder, die meine Kinder mögen, haben Eltern, die ich nicht mag. Und Eltern, die ich mag, haben Kinder, die meine Kinder nicht mögen. Ein Dilemma, das letztlich dazu führt, dass wir genauso gut alleine in einer einsamen Hütte hätten Urlaub machen können. Denn ob andere Leute da sind oder auch nicht, es ist völlig egal … fast.

Wenn es eben diese Mutter am Nebentisch nicht geben würde, die immer am Nebentisch sitzt. Und zwar, egal, wo ich Urlaub mache. Meistens hat sie am Pool oder am Strand auch die vier Liegen neben meiner beschlagnahmt – unbeeindruckt davon, dass ich bereits frühmorgens mit meinem Badetuch zur Liegenreservierung aufgebrochen war.

Diese Mütter sind die, mir von Gott auferlegte Strafe und immerwährende Prüfung, weil ich bis heute daran scheitere, nicht über sie zu lästern. Es sind diese Frauen, die mit der Geburt ihrer Kinder zu Müttern mutiert sind und sich nun an ihrer eigenen Bedeutung weithin erkenn- und hörbar berauschen. Und weil sie eine höhere Stufe der Evolution erklommen haben, sind sie die perfekte Verbindung von Mutter und Frau – letzteres auch immer daran erkennbar, dass sie gerne einen Tick zu lasziv gekleidet sind. Der Sarong, kunstvoll um das knappe Bikini-Oberteil gebunden, lotst den unschuldigen Blick gerne zum bleichen Bauch und wabernden Schenkel.

Die Mutter, die ich meine, ist per se persönlich berührt. Sie rettet Krebse, Katzen und Hunde und sorgt dafür, dass es jeder erfährt. Sie flötet fehlerfrei die Liedtexte der Minidisko und tanzt mit den Kleinen, selbstverständlich in der ersten Reihe. Natürlich kennt sie bereits am ersten Vormittag alle Kinder des Urlaubsdomizils beim Vornamen und ist noch vor dem Ende der ersten Vorspeise mit allen Kellnern „per Du“.

Und sie tut etwas, was ich nicht tue.  Sie diskutiert mit ihren Kindern und bekennt mit dieser durchdringenden Gouvernanten-Stimme im Halbstundentakt „Ich möchte das nicht“. Es versteht sich von selbst, dass die moderne Mutter-Walküre sehr kritisch ist und zu keiner Gelegenheit mit Verbesserungsvorschlägen geizt.

Überhaupt ist sie durchaus sehr großzügig: mit ungewollten Ratschlägen, spannungslosen Erzählungen aus dem eigenen Leben – und bei Bedarf mit dem eigenen Kinde. Denn da sie ihre „Ich-Zeit“ regelmäßig bitter benötigt, meist aber der entsprechende Vater nicht die Urlaubsbegleitung ist, hat der Tisch- oder Liegennachbar, ehe er sich versieht, zu seinem eigenen Nachwuchs die Kinder der Mutter auch noch an der Backe.

Und so kommt es, dass ich in Urlauben sehr viel mit Kindern zu tun habe, die meine Kinder nicht mögen, von einer Mutter, die ich nicht mag.

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