In der Elternsprechstunde

Meine Frau und Mutter meiner Kinder sagte: „Diesmal bist du dran. Es wird Zeit, dass du dich auch einmal darum kümmerst.“ Allein die Tatsache, dass sie darauf verzichtete, den Befehl in eine Frage zu verpacken (was letztendlich auch nichts an meiner Folgsamkeit geändert hätte), zeigte ungeschönt ihre fehlende Verhandlungsbereitschaft an, was bedeutete: Ich durfte diesmal zum Elternsprechtag meines ältesten Sohnes.weiterlesen

Weihnachtsbrief 2017

Ich kenne keinen Erwachsenen, der nicht über den Stress im Advent jammert. Und selbstverständlich gehöre auch ich zu all jenen, die mit einem weithin hörbaren Seufzer bedauern, dass sie in der Weihnachtszeit überhaupt keine Muße für Besinnliches haben. Zugegeben, irgendwie hat es etwas bizarr Heimeliges, sich in den Kanon der Gehetzten und Gejagten, der Schwestern und Brüder im adventlichen Opfergeiste einzureihen und die neuen Zeiten zu beklagen: Mir geht es schlecht, ich kann nichts dafür. weiterlesen

Eltern auf dem Spielplatz

Ich wollte niemals über meine Kinder schreiben. Und zwar, weil es außer mich, mit Hormonen sattsam angereichert, niemanden interessiert. Nicht einmal meine Kinder, wenn sie alt genug sind. Und andere Eltern auch nicht. Selbst wenn sie Aufmerksamkeit heucheln sollten, dient dies nur dazu um schnellstmöglich vom eigenen Kind zu erzählen. weiterlesen

Allein in der Schweinderlbahn

Seit ich Vater bin, hat sich mein Verhältnis zu ignoranten Personen deutlich angespannt. Zwar staunte und ärgerte ich mich bereits vorher darüber, wenn sich in Konzerten Leute einfach vor mich platzierten oder Dauergestresste an der Kasse des Supermarktes vordrängelten, aber ich konnte die Emotionen mit kleinen buddhistischen Übungen meist schnell in Griff bekommen. weiterlesen

Bitte nur ein einziges persönliches Wort …

Heute erzähle ich die Geschichte eines Bekannten (nach), wie er sie mir glaubhaft berichtete: „Am vergangenen Montag hatte ich einen lang vorbereiteten Geschäftsabschluss zu feiern. Nach ein paar Gläsern besten Schampus im Kreise von jubelnden Kollegen ging ich bestens gelaunt nach Hause, durchströmt von Selbstbewusstsein und der festen Überzeugung, ein stattlicher Hecht im Karpfenteich des Lebens zu sein.weiterlesen

Warum der Kondor einen kahlen Kopf hat

In ganz Peru gab es keinen wie ihn. In Chile und Bolivien auch nicht – und in Argentinien schon gar nicht. Konrad war kein normaler Vogel. Er war nicht einmal ein normaler Kondor. Er war der Urvater aller Kondore und damit der allergrößte und mächtigste Vogel, der jemals über die hohen Berge der südamerikanischen Anden geflogen ist. Mit Flügeln, die von einem Ende zum anderen ganze vier Meter maßen, überflog Konrad die gesamte Gebirgskette von Norden nach Süden und von Osten nach Westen an nur einem einzigen Tag.weiterlesen

Wie ein Vater sein Trauma überwindet

Eine etwas ältere Geschichte, auch in Erinnerung an meinen Vater: Natürlich kommt es auf die Größe an. Wer das Gegenteil behauptet, hat keine Ahnung und auch nur halb so viel Spaß im Leben. Ich möchte mit dieser Behauptung keineswegs Gartenzwergen zu nahe treten, aber mal ehrlich: Wer nimmt denn die kleinen Gesellen im Vorgarten wirklich ernst?weiterlesen

Duck dich, Nelson. Eine kleine Geschichte mit Rebhühnern.

Hinter dem Bahndamm, direkt am Gleis, lebt eine fröhliche Rebhuhn-Familie, die aus einer fleißigen Mama, einem dicken Papa und drei kleinen und sehr frechen Rebhuhn-Küken besteht. Das sind zwei Mädchen und ein Junge und sie heißen Nala, Nuri und Nelson. Was auch bedeutet: Nelson hatte und hat es gar nicht so leicht mit zwei Schwestern. Sie ärgern ihn zwar nicht allzu sehr, aber sie wollen immer bunte Bänder in seine kurzen Federn binden.weiterlesen