Laub rechen…

Ich bin gerne draußen im Garten. Und wenn ich es an dieser Stelle einmal zugeben darf: Könnte ich die Zeit zurückdrehen, dann würde ich gerne Gärtner werden. Nicht zuletzt wegen des Herbstes. Dann bin ich nämlich bevorzugt mit dem Laubrechen zugange.

Ich reche mit großer Inbrunst Laub ebenso, wie ich leidenschaftlich Sand und Kies schaufle. Man strengt sich an, schwitzt, aber überanstrengt sich nicht dabei. Es bleiben noch genügend Raum und Kraft für freie und lustige Gedanken, die bei monotonen Arbeiten nicht mehr festgehalten werden und der Erziehung des humorlosen Verstandes entfleuchen.

Es sind Gedanken, meist unzusammenhängend, wie diese:

Rechen und rechnen: Ich kenne nur wenige Menschen, die nicht kurz zögern oder überhaupt große Schwierigkeiten haben, wenn sie „Laub rechen“ sagen sollen.

Schon ein kleiner Windhauch macht Angst, wenn man gerade mühsam im Garten einen Laubhügel geschaffen hat. Laub zu rechen ist vor allem eine Frage der Demut.

Zwei Dinge, die man beim Laubrechen fürs Leben lernt:

1) Willst Du einen völlig Laubfreien Garten – oder freust Dich über einen vollen Grüngutsack? Erst der Wechsel der Perspektive fügt dem Frust über Unmögliches ein zufriedenes Lächeln bei.

2) Während Eichenlaub fluffig, locker und leicht ist, sind Eicheln klein, hart und schwer. Füllst Du Deinen großen Kompostsack damit, achte auf ein ausgewogenes Verhältnis, so dass Du möglichst viel tragen kannst, ohne unter der Last einzuknicken.

Ich finde, eine Kompostieranlage zu unterhalten, ist ein sehr intelligentes Geschäftsmodell: Es gibt Geld, wenn Grüngut angeliefert wird, und man verdient, wenn Humus abgeholt wird.

Ich bin ein Modemuffel, mag es aber gerne bunt und liebe kräftige Farben. Ich beneide deshalb die Leute der städtischen Gärtnerkolonne um ihre orange Arbeitskleidung. Sie bringen die Sonne in neblige Novembertage.

Es gibt wenige Dinge, die meiner Verachtung so sicher sind wie Laubbläser. Sie machen Krach und rauben mir das Vergnügen Laub zu rechen. Als die Lebensgefährtin meines Vaters vor zwanzig Jahren damit begann, den herbstlichen Garten meines Elternhauses mit so einem Ding unsicher zu machen, dachte ich: „Jetzt ist alles aus“. Vergangene Woche hat meine Frau einen Laubbläser gekauft ….

Ich fahre das Laub mit dem Auto in Zwei-Säcke-Fuhren zur Kompostieranlage. Ich bin einer der ganz wenigen Gartler, der keinen Hänger besitzt. Ich merke, wie die anderen über mich abschätzig frotzeln, ich wünsche mir jetzt zu Weihnachten auch einen Autoanhänger. Dann bleibt auch der Kofferraum des Autos endlich sauber. Und billiger wird es auch.

Abgesehen vom fehlenden Autoanhänger wärmt die sich zufällig zusammenfindende Gesellschaft in der Kompostieranlage das soziale Herz. Das fallende Laub als gemeinsames Leiden ist nicht nur ein vortrefflicher Gesprächsstoff, sondern hat auch eine sehr ausgeprägte verbindende Komponente. Man muss nicht über das Wetter reden.

Wer Laub recht, erlebt viele Überraschungen und entdeckt unter dem Laub so manches Geheimnis: Ich habe Pilze im Garten? Wo kommt denn dieses, eindeutig nicht von einem meiner Bäume stammende Blatt her? Es gibt so viele Fragen, auf die keine Antworten nötig sind.

Der Herbst ist die perfekte Zeit, sich mit Sinnfreien zu beschäftigen. Warum sonst sollte man begeistert Kastanien basteln und daraus lustige Figuren basteln?

 

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