Ein Bier-Dramulette

Nach dem Festspiel im vergangenen Jahr wage ich mich wieder an ein längeres Theaterstück, das hoffentlich heuer noch fertig wird. Es ist ein Bier-Dramulette.

Das ist die Geschichte von einem Bierbrauereigehilfen, der aus dem Sudetenland in die Oberpfalz kam um dort zu erfahren, dass der Zettel seines Vaters, den er in seiner Hosentasche immer mit sich trägt, auf der Rückseite den einen Teil eines legendären Bierrezepts beinhaltet. Dank des böhmischen Windes, mehrere Flaschen Becherovka und eines alten Räubers braut er schließlich ein paar Fässer Bier, das Menschen erst zu Menschen macht.

Man könnte aber auch sagen, dass es die Geschichte von einer dreckigen und verwahrlosten Räuberbande ist, die meistens im Biergarten sitzt und sich manchmal auch im Wald herumtreibt um sich dort mit einer anderen Räuberbande abzuärgern oder ein paar Leute zu überfallen, die zu dumm oder zu faul waren davon zu rennen. Zum Schluss aber gewinnt der Bürgermeister.

In jedem Fall aber ist es keine sonderlich nette Geschichte, sondern spielt in dunklen Kellern und rohen Wäldern. Die Menschen, nicht alle, aber doch mehr als üblich, sind dumpf und grausam.


Szene 1: Im Bierkeller

Ein leerer Bierkeller. Fast, denn am Rande sitzen hinter mehreren Fässern nahezu unbemerkt eine alte Frau und ein Geist. Während die Alte Erdnüsse knackt und in sich hineinstopft, versucht der Geist mit einem Stock etwas auf den Boden zu malen. Es misslingt ihm aber, da er den Stock nicht halten kann – die alte Frau reicht ihm den Stock immer wieder, woraufhin der sofort wieder zu Boden fällt. Beide bleiben bei ihren Aufgaben stoisch und machen unbeeindruckt weiter.

Im Vordergrund liegt Vincent verkrümmt auf dem nackten Boden. Er schrickt hoch und sitzt kerzengerade da, der Blick verwirrt in die Runde. Er kratzt sich ausgiebig am Kopf und am Gemächt.

Vincent: Ist schon Nacht oder noch Tag? Wie lange warte ich hier schon? „Du bleibst da“, hat Braumeister Ernst gesagt. Und ich bin hier geblieben. In diesem Loch. Stundenlang, Tagelang, Wochenlang – ich weiß es nicht. Mich friert … Braumeister, wo bleibst du denn? Du kannst mich doch hier nicht einfach verhungern lassen. Oder noch schlimmer, erfrieren.

(Vincent zittert und schaut zu den Fässern hin): Nun, wenigstens verdurste ich nicht. Ich brauche nur was Spitzes, einen Stock oder so, und dann haue ich ein Loch in das nächste Fass und sauf es einfach aus. Und wenn ich dann so richtig besoffen bin, dann kann ich von mir aus auch erfrieren. Dann tut sie auch nicht mehr weh, diese grausame Kälte. Dann ist eh alles egal.

Woher ich das weiß? (Vincent schnaubt verächtlich) Ob ich jemand kenne, der schon mal erfroren ist? Nein, natürlich nicht. Aber ich habe in den letzten harten Wintern schon eine Menge Leute gesehen, die erfroren am Wegesrand gelegen sind. Und von denen hat keiner so geschaut, als ob er Schmerzen gehabt hätte. Im Gegenteil: Viele haben sogar gelächelt – so, als wären sie froh darüber, dass sie erfrieren haben dürfen.

Alte Frau (zum Geist): Stimmt das, was der dreckige Junge da erzählt? Bist du auch erfroren? War das schön?

Geist: Ich bin nicht erfroren. Mich haben sie aufgehängt, weil ich so eine fette und reiche Sau abgestochen habe. Der hatte es aber auch verdient, weil er seine Leute hat hungern lassen, während er sich den Wanst vollgeschlagen hat.

Alte Frau: Ach, du hast es bestimmt auch verdient. Aber wie ist denn das nun mit dem Erfrieren? Weißt du da was Näheres?

Geist: Tatsächlich ist meine Frau erfroren, weil sie meinte, sie müsse übers Eis laufen. Da ist sie eingebrochen – und noch bevor sie ersaufen konnte, ist sie erfroren. Ich habe sie danach nochmal getroffen, aber wir wollten als Geister nicht nochmal den gleichen Fehler machen wie im Leben und beisammen bleiben.

Alte Frau: Du bist ein Dummkopf, das hilft uns jetzt auch nicht weiter.

Fortsetzung folgt…

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