Die Wolke Wolfgang

Warum Veränderungen nötig sind, um seinen Horizont zu erweitern.

An einem sehr schönen, sehr warmen Tag, an dem es dem Meer sehr wohl um sein nasses Herz ist, lässt es aus purer Lust ein paar Wassertropfen in die Höhe steigen, damit diese dort ausgelassen tanzen können. Das tun sie auch: Fröhlich hüpfen sie auf und ab und drehen sich im Kreis.

Da macht es plötzlich ganz leise „Plopp“ und die noch klitzekleine Wolke Wolfgang ist geboren. Nachdem er erst ein wenig verdutzt geschaut und gewartet hat, verbringt Wolfgang die ersten Tage seines Lebens damit, die Welt zu erkunden und viele neue Freunde zu treffen – wie einen übermütigen Hund, der dem Schatten der Wolke hinterher tollt, oder den Vater mit seinem Sohn, die auf einer Parkbank die vorbeiziehenden Wolken zählen.

Wolfgang genießt sein Leben. Nur manchmal erschrickt er, wenn plötzlich ein unhöflicher Fallschirmspringer an ihm vorbeisaust. Zum Glück kommt dies nicht allzu oft vor, so dass sich die kleine Wolke ungestört ihrer Lieblingsbeschäftigung widmen kann: Mit seinen flauschigen Himmelkumpel Fangen zu spielen und sich von den spitzen Bergen am Bauch kitzeln zu lassen.

Eine Sache gibt es allerdings, die Wolfgang wirklich stört und sehr beschäftig: Sein Popo wird oft ganz heiß. Was ist da nur los? Wolfgang würde sich so gerne umdrehen und nachschauen – leider aber schafft er es trotz größter Anstrengungen nie, sich auf den Rücken zu drehen.

Eine Möwe, die zur Abendstunde gerne mit Wolfgang ein Schwätzchen hält, klärt die kleine Wolke schließlich auf: „Die Hitze kommt von der Sonne über Dir. Sie ist riesig groß, sehr hell und sehr, sehr heiß. Wenn Wolken wie Du auf dem Rücken liegen könnten, müssten sie eine Sonnenbrille tragen. Und wenn Du ehrlich bist, lieber Wolfgang, gibst Du zu, dass dies doch ziemlich dämlich aussehe.“

Das mochte ja stimmen, aber Wolfgang ist trotzdem traurig, dass er nur auf seinem Bauch liegen kann. Und weil nicht nur Menschen, sondern auch kleine Wolken oft viel zu viel essen, wenn sie traurig sind, beginnt Wolfgang damit, einen Wassertropfen nach dem anderen in sich hineinzustopfen. Er hört gar nicht mehr damit auf und wird immer größer und größer. Dabei verändert sich seine Farbe auch von strahlendem Weiß zu Hell- und schließlich Dunkelgrau.

Grummelnd treibt Wolfgang vor sich hin und passt überhaupt nicht mehr auf. Da passiert es: Er übersieht die rote Ampel an der Himmelskreuzung, was ziemlich fatal ist, denn von rechts rast gerade eine andere Wolke heran. Es donnert ganz fürchterlich und ein greller Blitz erschüttert den Himmel, als Wolfgang mit der kleinen, jungen und sehr schnellen Wolke zusammenkracht.

Vor lauter Schreck vergisst Wolfgang sein Grummeln. Erstaunt schaut er auf die Delle, die bei dem Aufprall in seinen Körper geschlagen worden ist. Und etwas besorgt bemerkt er, wie Regentropfen aus ihm herausfallen – und er langsam kleiner wird. Zum Glück schwimmt genau in dem Moment, als Wolfgang seine ersten Tropfen verliert, die kleine Insel Isidor unter ihm vorbei (warum sie das tut, das ist eine andere Geschichte). Wolfgang regnet und regnet.

Seine Wassertropfen versammeln sich auf der Insel bis aus der Wolke Wolfgang ein kleiner Teich geworden ist. Endlich kann Wolfgang die Sonne anlachen. Glücklich lässt er sich von ihr den Bauch wärmen und erzählt den vorbeiziehenden Wolken, wer ihren Popo warm macht. Und natürlich schaut auch sein Freund, die Möwe, zur Abendstunde auf ein Schwätzchen vorbei.

Die Geschichte gibt es beim Kleinen Krebs Verlag auch als

 

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