Das Misstrauen bleibt

Selbstverständlich lese ich Bücher, die mich erfolgreich, reich, gesund und glücklich machen. Die mir innere Zufriedenheit und eine Top-Figur garantieren. Die in den einschlägigen Listen bei „Bestseller Sachbuch“ die ersten zehn Plätze belegen und die ausnahmslos von erfolgreichen, reichen, zufriedenen und glücklichen Menschen mit Top-Figur und strahlend weißen Zähnen geschrieben worden sind.

Ob sein Leben vereinfachen, sieben Wege zur Effektivität gehen, in drei Jahren Millionär werden oder ohne Hungern sein Traumgewicht erreichen – jeder Autor hat unzählige Beispiele parat, wie er mit seinem „Stein des Weisen“ glücklichen Lesern helfen konnte. Und manchmal war es auch nur eine geschickt verpackte Bitte ans Universum, die eine bis dahin unbekannte, aber stinkend reiche Erb-Tante aus Amerika auftauchen ließ.

Die Erfolgsquoten liegen IMMER zwischen 90 und 95 Prozent; dumm nur, dass ich IMMER zu den 5 bis 10 Prozent der unglücklichen Leser gehöre. Nur einmal waren Buchlektüre und Erfolg zeitlich nah beieinander, doch eben nicht direkt nacheinander: Ich habe vor dreizehn Jahren zum Rauchen aufgehört, da hatte ich einfach Glück. Das Buch aber war gut.

Wie überhaupt manche Bücher sehr schlüssig klingen und sich nicht auf den ersten Blick bereits als blanker Humbug erweisen. Häufig denke ich mir sogar: „Das klingt vernünftig, das könnte klappen.“

Doch dann taucht plötzlich in Kapitel 3 die rührende Erzählung vom schüchternen Außenseiter-Sohn mit schlechten Noten, vom dicken Single oder vom verhassten Chef auf. Und diese mutieren IMMER zum sportlichen Einser-Schulsprecher, athletischen Frauenhelden oder gefeierten Menschenfreund-Renditenkönig-Unternehmer!

Mal ehrlich: Eine 2 in Mathe, 5 Kilo weniger oder ein moderates Umsatzwachstum hätten es für mich auch getan.

Solche Superlative machen misstrauisch, denn das ist nicht das Leben, wie ich es kenne. Vielmehr lehrt die Erfahrung, dass es eigentlich nur drei Wege gibt, ein Ziel zu erreichen: Disziplin, Talent oder ungeheures Massel.

Allerdings gibt es auch wieder Bücher, die meinen, man sollte keine Ziele verfolgen und unnötige Anstrengungen einfach sein lassen. Tatsächlich erscheint täglich zu jeder Entscheidung, die man fällt oder auch nicht, das passende Buch dazu.

Kurzum, es ist und bleibt schwierig. Mit Büchern und der Frage, wie man erfolgreich, reich, schlank und glücklich wird. Und ob man das überhaupt wollen soll.

Im Übrigen ist das Leben tödlich. Vielleicht hilf das ja weiter.

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